Willkommen zu unserem kulturellen 5-Jahres-Zyklus unter dem Patronat der ‚Gesellschaft FROHSINN Uttwil‚, des ‚Gemeindevereins Uttwil‘ und der Gemeinde Uttwil, nach einer Idee von Marco Zumkehr.

Von 2018 bis 2022 wird in jedem Jahr an einer bis zwei Veranstaltungen eine berühmte Persönlichkeit, die vor hundert Jahren in Uttwil gelebt hat, der breiten Öffentlichkeit bekannter gemacht werden.

HENRY VAN DE VELDE

Mit seinem Zuzug gegen Ende des Jahres 1918 in das „Haus am See“ (wie er es bescheiden nannte, oder „Schloss“ wie die Ein­heimischen schon damals dazu sagten), legte Henry van de Velde den „Grundstein“ zu Uttwil’s aussergewöhnlicher Geschichte als Künstlerkolonie am Bodensee.

Weil seine finanziellen Mittel im Weimar blockiert blieben, zerschlug sich Henry van de Veldes Traum, hier ein „zweites Weimar“ – er meinte damit eine kunstgewerbliche Schule und Werk­stätte – aufzubauen. Den einzigen Ausweg zu sicherem Ein­kommen bot sich ihm durch das Angebot des Ehepaars Kröller-Müller. So reiste Van de Velde im Januar 1920 eher schweren Herzens in die Niederlande, um seine geliebte kreative Arbeit an der neuen Anstellung in Den Haag anzutreten.

So kurz der Aufenthalt von Henry van de Velde in Uttwil auch war, so gross wirkte seine Anziehungskraft auf einige seiner Zeitgenos­sen.

Auch sein Freund Ernst Ludwig Kirchner überlegte sich 1918 die Übersiedelung nach Uttwil und entwarf schon den Briefkopf der geplanten Künstlerkolonie.

Als Bewohner auf Zeit kamen René Schickele mit seiner Familie, Annette Kolb und das Ehepaar Thea und Carl Sternheim mit ihren Kindern nach Uttwil. Zu deren Gäste zählten Oskar Fried, Ferdinand Hardekopf, Salomon Grumbach, Rudolf Hilferding, Frans Masereel, Conrad Felixmüller, Paul Ilg, Thomas Mann mit Familie, Pamela Wedekind und viele andere.

Nach etwa zehn Jahren waren alle Berühmtheiten wieder in ganz Europa verstreut. Die stattlichen Häuser und deren Geschichte zogen in der Folge Schweizer Künstler an, von denen einige dann auch bis zum Lebens­abend in Uttwil blieben. Dazu ge­hör­ten der Grafiker und Maler Ernst E. Schlatter, der Schrift­steller Paul Ilg, der Kunstkritiker und Künstler Walter Kern, und – als später Nachfol­ger van de Veldes im „Schloss“ – der Schriftsteller Emanuel Stickelberger.